Kommentar: iBooks 2: Fluch oder Segen?
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Kommentar: iBooks 2: Fluch oder Segen?

Wie ihr schon unschwer erkennen könnt, gehört der folgende Text zur Kategorie „Kommentar“ und spiegelt daher allein meine persönliche Meinung wieder und nicht die von TBLT.de.

Apple kündigte ein „Bildungsevent“ für den 19. Januar an. Mein Kollege Daniil hat sich näher mit dem Thema beschäftigt, und einen Kommentar verfasst, warum Apple überhaupt den Bildungsmarkt erschließen will. Am 19. Januar wurde dann ein Update für iBooks vorgestellt, welches das Schulbuch nach und nach überflüssig machen soll.


Zunächst aber sag ich euch in aller Kürze, was Apple am 19. Januar vorgestellt hat:

Mein Kollege Daniil hat in seinem Wochenrückblick über iBooks 2 berichtet und ich binde hier einfach das Video kurz ein, damit ihr euch das auch anschauen könnt. (Einfach auf das Bild klicken, dann wird das Video auf YouTube zum richtigen Zeitpunkt abgespielt)

Für diejenigen, die sich gerade das Video nicht anschauen können, habe ich den Text von Daniil einfach hier rein kopiert. Alle Anderen können einfach bis zur nächsten Überschrift springen.

Auf einem hauseigenen Presseevent am Donnerstag hat Apple angekündigt, das Lehrbuch neu zu erfinden. Im Zuge der Präsentation wurde die zweite Version von iBooks, Apples eBook Reader App vorgestellt. Die neuen Bücher sollen dabei interaktiver werden, indem zum Beispiel 3D-Bilder, Videos und Multitouchgesten in die Bücher eingearbeitet werden können. Auch Markierungen und Notizen können nun erstellt werden und werden als virtuelle Notizzettel gespeichert.
Des weiteren gibt es auch ein neues Publishing-Tool für Verleger, welches iBooks Author heißt und mit welchem man interaktive Bücher erstellen und direkt zu iBooks hochladen kann. 
iBooks 2 ist ab sofort als Update im AppStore verfügbar und auch erste interaktive Bücher stehen zum Kauf zum Preis von etwa 15$ bereit.

Das Buch ist tot, lang lebe das eBook? Wohl eher nicht!

Die Bestrebungen, das altbekannte Schulbuch wie wir es kennen abzusetzen, ist keine Idee, die Apple erfunden hat. Schon eBook-Reader haben dieses Ziel angestrebt,  sind aber daran gescheitert. Der Grund sind fehlende Bücher, da die meisten Schulbücher erst gar nicht digitalisiert werden. Der zweite Grund wird vermutlich der relativ hohe Anschaffungspreis sein. Selbst subventionierte eBook-Reader müssten die Schüler beziehungsweise deren Eltern selber zahlen. Schulen wären nicht in der Lage dazu, diese eBook-Reader zu bezahlen, da immer wieder neue dazugekauft werden müssen. Denn mal ehrlich: Überlegt doch, wie die kleineren Kinder mit ihren Schulbüchern umgehen, könnte ein eBook-Reader das eine längere Zeit aushalten? Die meisten eBook-Reader würden vermutlich noch in der ersten Woche kaputtgehen. Ein weiterer Punkt, der gegen eBooks spricht, wäre noch das Fehlen von Bildern, die oft zum Verständnis notwendig sind. Alles in allem konnten eBook-Reader bisher nicht überzeugen und sind deshalb zu Recht nicht in Klassenzimmern anzutreffen.

Das Buch ist tot, lang lebe das iPad? Schwer, aber nicht völlig unmöglich!

Doch jetzt stellt sich die Frage, wie Apple es schaffen will, von einen Markt zu profitieren, der eigentlich im Sterben liegt. Der größte Vorteil für Apple ist mit Sicherheit die Marke. Apple bedeutet „jung“ und „cool“ sein und das will sich die Firma aus Cupertino zu Nutzen machen. Die Chancen stehen dafür nicht schlecht, denn Apple bewies immer wieder Geschick im Marketing und kann ganze Produktkategorien wiederbeleben, wie es schon beim iPhone und iPad der Fall war.
Der zweite Vorteil von Apple ist sein Ökosystem. Dieses darf man selbstverständlich nicht unterschätzen, da alles so funktioniert wie es soll und das auch noch nahtlos.

Das Problem mit den hohen Kosten bleibt natürlich weiterhin bestehen, doch ist ein iPad mehr als nur ein Schulbuch; es ist ebenfalls noch ein Internet- und Gaming-Device. Doch gerade diese Vielfalt stellt ein weiteres Problem dar. Denn welcher Schüler würde in Geschichte das langweilige Geschichtsbuch auf dem iPad anschauen, wenn er mit nur wenigen Klicks mit seinen Freunden auf Facebook, Google Plus oder sonst was chatten kann? Sicherlich gibt es einige Möglichkeiten, dies zu verhindern, doch die Pfiffigkeit von Schülern darf nicht unterschätzt werden. Doch eines der größten Probleme die Schüler haben werden, ist, dass der Speicherplatz recht bald voll sein wird. Multimediale Bücher können mehrere Gigabyte groß sein. Ich gehe einfach mal von dem iPad mit 32 Gb Speicher aus und habe folgende Rechnung: 32Gb-(12 * 2,5 Gb) = 2Gb freier Speicher, was sehr knapp werden kann. Als Abhilfe könnten Bücher auch auf den Servern von Apple liegen, deren Inhalt dann auf die iPads gestreamt würde. Doch sollte man nun mal ins Ausland fahren, wäre die Verbindung abgebrochen, beziehungsweise sehr teuer, da die Roaming-Gebühren unverschämt sind.

Doch gerade die Vorteile von iBooks 2 auf dem iPad sind nicht von der Hand zu weisen. So kann man zum Beispiel sich im Geschichtsunterricht auf der iPad-Schulbuchseite eine Karte von Deutschland anschauen und direkt auf der Buchseite verschiedene Jahreszahlen aussucen. Im Biologieunterricht könnte ein 3D-Modell des Menschen eingebunden sein, die Möglichkeiten sind vielfältig. Apple könnte den Bildungsmarkt revolutionieren, wie gesagt: Könnte. Es gibt nur noch zu viele Schwierigkeiten um die sich Apple kümmern muss. Aber der Grundstein ist gelegt!

Wie können Bücher erstellt werden?

Der beste Reader auf der Welt bringt einem nichts, wenn es keinen Content gibt. Das hat auch Apple gesehen und ein kostenloses Programm ins Angebot aufgenommen, welches auf den Namen iBooks Author hört. Mit diesem Programm kann man relativ leicht eigene Bücher erstellen. Hier noch ein paar Bilder von dem Programm.

Im Prinzip klingt bis jetzt auch alles super, nur jetzt hat der Blogger Dan Wineman sich die Lizenzvereinbarungen etwas näher angeschaut und etwas erschreckendes festgestellt. Haltet euch alle fest, jetzt kommt etwas mit dem ihr nie gerechnet hättet: Apple will da mitverdienen! Im Prinzip ist das auch nicht verkehrt, sonst würde sich die Entwicklungsarbeit für das Programm „iBooks Author“ gar nicht lohnen. In den Lizenzvereinbarungen steht nun folgendes:

B. Distribution of your Work. As a condition of this License and provided you are in compliance with its terms, your Work may be distributed as follows:

  •  (i) if your Work is provided for free (at no charge), you may distribute the Work by any available means;
  • (ii) if your Work is provided for a fee (including as part of any subscription-based product or
    service), you may only distribute the Work through Apple and such distribution is subject to the following limitations and conditions: (a) you will be required to enter into a separate written agreement with Apple (or an Apple affiliate or subsidiary) before any commercial distribution of your Work may take place; and (b) Apple may determine for any reason and in its sole discretion not to select your Work for distribution.

Im Klartext heißt das:
Will nun ein Verlag sein Werk monetarisieren, so ist das nur über den Distributionskanal von Apple möglich. Zudem muss eine Provision von 30% an Apple abgedrückt werden. Sollte das Werk allerdings kostenlos angeboten werden, so ist Apple im Grunde vollkommen egal, wo ihr das tut.

Ebenfalls in den Lizenzvereinbarungen steht:

Apple will not be responsible for any costs, expenses, damages, losses (including without limitation lost business opportunities or lost profits) or other liabilities you mayincur as a result of your use of this Apple Software, including without limitation the fact that your Work may not be selected for distribution by Apple.

Im Klartext heißt das:
Gefällt Apple nicht, was ihr geschrieben habt, so wird das nicht über Apple verkauft. Das stellt meiner Meinung nach eine Zensur da und dürfte eigentlich so nicht existieren. Das Prinzip schlechte Werke auszufiltern ist sehr kundenfreundlich, allerdings missbraucht Apple seine Möglichkeiten Inhalte zu verbieten. Ich frage mich, wie denn der Sexualkundeunterricht aussehen soll? Wenn es nach Apple geht, fällt dieser wohl gänzlich aus. Doch um nicht vom Thema abzukommen, beende ich den Kommentar mit meinem Fazit.

Fazit

In der Überschrift hatte ich gefragt, ob iBooks 2 ein Fluch oder ein Segen sei. Diese Frage lässt sich genauso leicht beantworten wie die Frage nach der Existenz Gottes. Jeder sieht die Sache etwas anders, für Lehrer ist die Idee vermutlich ein Fluch, weil sie nun extra viel Zeit investieren müssen, um selber das System zu verstehen. Für Schüler mag es ein Segen sein, da sie weniger Schulbücher tragen müssen und in langweiligen Unterrichtsstunden auch im Internet gesurft werden kann. Für Verleger ist es ein Fluch und Segen zugleich, da sie zwar in Angst leben müssen, dass Apple ihr Werk nicht genehmigt, aber sich sicher sein können, dass der Distributionskanal von Apple eine Menge Profit abwerfen wird, selbst wenn sie 30% an Apple zahlen müssen. Alles in allem halte ich iBooks 2 für einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Bildungswesens.

Bilder: http://www.apple.com/ibooks-author/

0 1 11660 25 Januar, 2012 Apple Januar 25, 2012
  • Helix

    Nicht nur für die Lehrer ein Fluch. Wie du schon sagtest, müsste es dann an jeder Schule ein Repair Center geben, weil die Teile reihenweise ausfallen(oder runterfallen). Neben dem stolzen Preis auf die Hardware bekommt man auch noch ein Gerät wo man den Akku nicht wechseln kann ->ergo nach 1 Jahr spätestens ist das Ding Fritte. Auch die Bücher erscheinen ja nicht umsonst, und man ist immer noch an Apple gebunden. Wahrscheinlich sind dann auch schon bald die neuen Versionen inkompatibel etc.

    Ich wäre einfach für einen Schulbuchstandard für Ebooks, den jeder Hersteller unterstützen kann. Dann kann sich jeder ein Tab/eBook Reader nach Geschmack kaufen, aber Pflicht darf es nicht sein sonst muss man die Armen wieder mit Geräten unterstützen, was wie immer zu Problemen führt.

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