Kommentar: Samsung Galaxy S3 – das Volkssmartphone?
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Kommentar: Samsung Galaxy S3 – das Volkssmartphone?

Ganz kurz vorab: Ich liebe Samsung, benutze alle meine Samsung-Produkte sehr gerne (SGS2, Galaxy Tab und Samsung Display) und habe euch bis jetzt jedes Samsung-Gerät im Test guten Gewissens empfehlen können. Was jetzt folgen wird, ist eine Mischung aus einem rant und einem Lob an Samsung.

Heute Abend hat Samsung das Flagschiff Android-Smartphone für das Jahr 2012 vorgestellt. Es ging weniger um die technischen Details: Der Prozessor, der Arbeitsspeicher und der Medienspeicher wurden erst kurz am Ende der Präsentation eingeblendet. Es ging eher darum, dem Nutzer ein “menschliches” Smartphone näher zu bringen und dazu gehört intelligente Software.

Intelligente Software!

Die intelligenten Helferlein hören sich in der Tat interessant an. Mit SmartStay überprüft die Frontkamera, ob man auf das Smartphone schaut, sodass das Display nur so lange anbleibt, wie es auch angeschaut wird. S Voice ist im Grunde das vorinstallierte Vlingo, das vom Samsung Galaxy S2 bekannt ist und auch Apple’s Siri etwas nachahmen möchte (die nächste Klage kommt bestimmt!). Immerhin soll es jetzt immer zuhören und mit einem “Hi, Galaxy” geweckt werden. Praktisch. Cool ist auch, dass man während des Tippens einer SMS, sich das Telefon einfach ans Ohr halten kann und somit den SMS-Partner anruft. Sehr cool.

Ansonsten finden sich Implementierungen aus dem originalen Android Ice Cream Sandwich wieder, wie S Beam (Original: Android Beam): Foto oder Video aussuchen, zwei SGS3 Rücken an Rücken halten, drauftippen und das Foto wird übertragen. Auch der Burst Shot Mode, mit dem bis zu 20 Fotos schnell hintereinander geschossen werden, ist erstens nicht neu und zweitens nicht zu Ende gedacht. HTC macht es bei der neuen One Serie deutlich besser, sodass man den Modus nicht erst im Menü mühselig suchen muss, sondern einfach nur lange den Auslöser betätigt.

Letztendlich muss sich die Software im Alltagseinsatz bewähren, was wir euch im ausführlichen Testbericht zeigen werden.

Eine durchwachsene Präsentation

Wie schon gesagt, heute ging es nicht um Hardware. Es scheint, Samsung möchte vom Hardware-Wettrüsten Abstand nehmen und versuchen, dem Benutzer wie Apple ein gutes Gefühl zu vermitteln. Abgesehen von den emotionalen und aufwendigen Video-Sequenzen und der herrlichen Musikuntermalung des Orchesters, kam bei mir keine emotionale Bindung mit den Sprechern zustande. Zum einen liegt es meiner Meinung nach am Akzent, das deutlich größere Problem ist, dass die Redner PR-Leute waren, die zwar ihre Präsentation kannten, das Produkt aber nicht leidenschaftlich präsentieren konnten. Samsung Mobile braucht ein Gesicht. JK Shin hat sich zwar deutlich von Keynote zu Keynote verbessert, jedoch fehlt es ihm an Pathos.

Schwache Hardware?

Ein billiges Plastik Gehäuse, ein körniges Pentile Display…  Max, maxwireless.de

Viel wurde um die Hardware spekuliert, dabei ging es heute gar nicht um Hardware. Für einen ausführlichen Artikel mit Spezifikationen möchte ich zu meinem Kollegen auf maxwireless.de verweisen. Der Prozessor wird neue Maßstäbe setzen, keine Frage. Jedoch LTE? Fehlanzeige! Das Galaxy S3 wird vorerst ohne LTE in Deutschland erscheinen! Dazu kommt dasmäßige Display. Mit der Größe bin ich zufrieden, mit 4,8 Zoll ist es kaum größer als ein S2. Jedoch stört da die Pentile-Matrix, die die wunderschöne 720p Auflösung runterzieht; für mich mittlerweile ein No-Go, denn das HTC One X bietet die gleiche Auflösung mit der schärferen RGB Matrix. Zum Schluss kommt das Gehäuse, Plastik ist verbaut, von Keramik und anderen vorhergesagten Wunderstoffen keine Spur. Letztendlich sieht das Gerät von hinten aus wie ein Billig-Handy aus dem Jahr 2008., völlig unspektakulär.

Fazit

Es geht beim S3 nicht primär darum, state of the art zu sein. Es geht darum, das Volkssmartphone zu bauen.

Das Samsung Galaxy S3 hat mich genauso enttäuscht wie das iPhone 4S. Die intelligente Software, die die Verbindung zwischen Mensch und Technik noch stärker wachsen lässt, hat mein Interesse auf jeden Fall geweckt, muss sich jedoch im Alltagseinsatz beweisen. Die Hardware ist nicht im Fokus, wird jedoch trotzdem die Latte für das Jahr 2012 hochlegen. Vor allem bin ich aber vom Display und vom Design enttäuscht. PenTile ist eine große Enttäuschung und auch das Plastikgehäuse hätte ich nicht erwartet.

Aber vielleicht ist dies der Grund, warum ich enttäuscht bin. Samsungs Galaxy S3 ist kein Geek-Smartphone mehr, bei dem es um die reinen Hardware-Spezifikationen geht. Es ist zu einem Volkssmartphone geworden, das die Verbindung zwischen Mensch und Technik durch eine einfache und intelligente Software vereinfachen will.

Bildquelle: engadget.com

0 5 1658 03 Mai, 2012 Featured, Samsung Mai 3, 2012

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Hi, ich bin Daniil und ich betreibe TBLT.de. Es ist meine Leidenschaft über Technik zu bloggen und mit euch darüber zu diskutieren! +

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  • Dennis

    Ich wurde heute gefragt, ob ich das neue Galaxy S3 empfehlen würde.. Ich habe dies verneint, da ich von Samsung mehr als nur enttäuscht bin. Ich mag das One X viel eher. Hochwertiges Gehäuse statt Plastikbomber, RGB-Matrix statt Pen-Tile. Zudem ist Sense meiner Meinung nach durchdachter als Touchwiz. Hier muss Samsung nachholen. Man hat versucht á la Apple ein neues Produkt vorzustellen. Und es ist daneben gegangen. Diesen Wow-Effekt wie bei der Apple-Keynote war nicht gegeben, dafür ist das S3 ebenso uninnovativ wie das iPhone 4S.
    HTC hatte eine kleinere Krise letztes Jahr und hat das mit der One-Serie einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Samsung ist nun am Zug, denn das S3 hat mit einem Flagschiff-Smartphone nicht viel gemeinsam. Ich sehe keinen Grund für Galaxy S2 User upzugraden. Schade Samsung, es hätte so schön werden können!

    • http://tblt.de Daniil Matzkuhn

      Das One X besteht auch nur aus Plastik.
      Das Problem von Samsung war, dass sie die Erwartungen durch den Hype niemals erfüllen konnten. Andererseits haben sie im Grunde genau das getan.

      Größeres Display? Ja, 4.8″.
      Größerer Akku? Ja, 2100mAh
      microSD Karten? Ja!
      Android ICS mit reduziertem Touchwiz? Ja.
      NFC? Ja.

      Mein Problem ist einfach, dass die Präsentation einfach nur mäßig war. Es hat kein Gefühl vermittelt, sie haben das Gerät schlecht verkauft. Dazu sieht das Design einfach nicht besonders aus, was man von Samsung nicht kennt. Ich denke, dass mich das am meisten enttäuscht hat, genauso wie PenTile.

      Ich bin trotzdem gespannt, das Gerät im Alltag zu benutzen, denn es ist trotzdem eines der besten Smartphones und es wird sich mehrfach besser verkaufen als das One X!

      • Dennis

        Ich bin mir sicher, dass es sich gut verkaufen wird. Zur Qualität: Auch wenn HTC Plastik verwendet, sieht das meistens so aus, dass es hochwertiger aussieht. Es gab so gute Vorschläge, wie Keramik-Gehäuse, was macht Samsung? Plastik. Es gab coole Designvorschläge, was wurde es: Galaxy Nexus mit Hardwaretasten.. Man erwartete Super Amoled Plus ohne Pentile, was war dabei? Pentile. Man kann ein gutes Smartphone, auch schlechter machen. Ein bisschen mehr arbeit in die Richtung Design und schon kann Apple einpacken..

  • Helix

    Ein Volkssmartphone? Wohl kaum. So kann man vielleicht das Huawei X3 betiteln, welches bei Lidl und Fonic für 99€ den Besitzer gewechselt hat – bzw jetzt seinen Nachfolger Y200.

    Das Samsungs AMOLED Displays, am besten noch mit Pentile, nicht wirklich gut aussehen und das von 720p keine Rede sein kann, steht ja schon seit dem Galaxy “Nexus” fest, welches schon diesen Namen zu Unrecht trug. 

    Um ein Volkssmartphone zu bauen bedarf es weniger an Innovation als an Qualität, was etwa HTC vor zwei Jahren mit dem Desire bewiesen hat – Millionen Geräte wurden verkauft, die meisten Käufer sind immer noch zufrieden oder weiterhin treue HTC Kunden. Samsung hingegen baut selten neueste Hardware an, schmückt sich aber gerne mit Lorbeeren.(Wie etwa beim SGS+ dessen Prozessor zwar erhöht wurde, dennoch langsamer arbeitete als vergleichebare Chips von Qualcomm bei weniger Takt). 

    Software: “I dont want to life on this planet anymore!” trifft es wohl ganz gut. Nicht nur das es beim SGS 2 schon fast einer Revolte bedurfte um ein ICS Update zu bekommen, auch mit KIES(bitte wer nennt so eine Software im deutschsprachigen Raum?!?!?!), das wohl einen schlechten Versuch einer iTunes Kopie darstellt, hat man nicht gerade Stärke gezeigt.

    Was dem Unternehmen fehlt, ist letztendlich tatsächliche Innovation. Zuerst baute man Gehäuse von Smartphones und Tabltes 1:1 von Apple nach, kopierte Software und Suite, nun schmück man sich mit den Features von Android. 

    Abschließend noch was zum Preis: Ich weiß ja nicht was Samsung geritten hat, 600€ als UVP anzugeben. Selbst ich als Android Fan würde mir für das Geld lieber ein iPhone kaufen als dieses Ungeheuer, zumal die Materialanmutung samsungtypisch unter aller Sau ist – ganz ehrlich, meine Jogurtbecher haben eine ähnliche Qualität.

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